eisblumen auf dem autodach

Meine letzen 3 Tage / Wasser diagonal zugefroren / Körperliche Arbeit [Tag 70]

Das ist mein Autodach mit Schneebäumchen. Liebe Freunde aus Tomatien! Es ist Tag 70 in Schweden und hier ist jetzt der Fall eingetreten, über den wir/ich spekuliert haben. Ist #vanlife noch cool bei -14 Grad? Sogar meine Nachbarn und meine Gast-Mutter sorgen sich um mich und bieten mir immer neue Überwinterungsmöglichkeiten an.

Also hier oben im ersten Stock meines holzvertäfelten Hobbys ist alles ok. 20 Grad herrschen hier mithilfe eines 2000 Watt Heizlüfters. Der hat ein Thermostat und läuft eigentlich zu 80% der Zeit. Fragt nicht nach der Stromrechnung! Das tue ich auch nicht. Ich sitze hier sogar im T-Shirt. Nur wenn die Nachbarn anklopfen, ziehe ich schnell eine Jacke an und mache einen auf hartes Leben. Hart – beziehungsweise eklig – sind meine wechselweise zugefrorenen 2 Wasserzuleitungen und 2 Wasserableitungen. Meine Wassertanks sind natürlich im Wohnbereich. Aber die Leitungen gehen – wie doof – hinter den Umluftschläuchen an der Außenwand entlang. Und sind durch einen Plastikkabelkanal getrennt vom Innenraum. Gestern war alles „diagonal zugefroren“. Das ist mein neuer Begriff. In der Küche ging nur das Zuwasser und im Bad ging nur das Abwasser. Leider habe ich nur einen 1 Liter Kochtopf zum schöpfen zwischen den beiden Waschbecken. Heute ist aber alles zugefroren. Also der tetra-frost-Fall eingetreten. Ich lasse die Abwassersuppen einfach in den Waschbecken und weiß, dass morgen um 9 Uhr 1 Grad Plus sein werden. Dann wird mich ein gurgelndes Geräusch aus dem Schlaf reißen. Und der Zyklus beginnt von vorne.

abfluss-wohnwagen
Wohnwagen Abfluss – Gefroren ist das Abflußwasser aber (auch) weiter innen im und unter dem Wagen.

Ich habe in der Scheune einen Petroleum-Heizer, den ich eigentlich unter den Wohnwagen legen wollte zum Auftauen, aber bevor ich mein Obdach anzünde, warte ich lieber die 3 heiligsten der letzen Tage ab. Danach ist Schluss mit #vanlife-für-leute-ohne-van-aber-mit-Hobby.  Dazu später mehr.

Mein Sorgenkind ist mein Auto geworden. Jede Nacht herrschen Minusgrade und jeden Tag scheint die Sonne. Das ist eines der Sachen, die mich in Schweden halten. Jeden Tag Sonne. Von 8.15 – 15 Uhr oder so. Aber als ich neulich von Stockholm kam und nachts am Bahnhof in Flen in mein Auto gestiegen bin war die Windschutzscheibe auch von Innen vereist. Das Eis habe ich auf das Armaturenbrett gekratzt. Dann habe ich noch warum auch immer die Hintertür aufgemacht und die ging dann nicht mehr zu. War also „aufgefroren“. So bin ich dann 10 km nach Hause gefahren – Pulli in die Tür geklemmt. Und bei der Fahrt ist nochwas passiert. Ich erfinde den Scheiss jetzt nicht. Ich habe eigentlich besseres zu tun. Z.B. Youtube gucken. Während der Fahrt sind bei beiden Vordertüren die Fenster runtergeratscht und standen offen und gingen nicht mehr hoch. Ich habe – wer es noch nicht weiss 🙂 elektrische Fensterheber. Das soll sich nicht wiederholen ich forsche da aber auch nicht nach. Ich habe das Auto dann nachts so abgestellt mit offener Tür und offenen Fenstern und bin verärgert in den Wohnwagen gegangen.

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Scheibe nach dem Auftauen innen bereits gewischt

Vielleicht habe ich seit dieser Nacht noch mehr Wasser im Auto. Jeden Tag um 9 Uhr taut das Innen-Eis in der Sonne ab, dann wische ich, dann friert alles um 15 Uhr wieder zu.  Angenommen, ich fände einen Job in Stockholm, dann müsste ich das Problem bis dahin lösen. So kann ich nicht fahren.

Ich lege jetzt jeden Tag trockene Zeitungen ins Auto und schmeiße die nassen Zeitungen weg. Und ich habe ein Pfund Salz im Fußraum „zu stehen“, wie Sandy sagen würde. Einen Erfolg kann ich nach 5 Tagen noch nicht erkennen. Jemand eine Killer-Lösung? Aber eine, die nicht Geld kostet. Ich bin pleite, da meine letzen, wenigen Projekte nur Schwäbische Geschäfte waren, wo also beide Parteien ein langes Gesicht gezogen haben. Außerdem war ich krank mit Brechdurchfall. Ich hatte einen abgelaufenen Salat gegessen – weil der im Preis reduziert war. = Armutsspirale. Im Stockdunklen draußen bei ca. -10 Grad Brechdurchfall bedeutet, dass man (und die Nachbarn) erst am nächsten Tag das Schlachtfeld im ganzen Umfang erkennen können. Wenn alles morgen aufgetaut ist nach 3 Tagen, werde ich das Wichtigste (Stromkabel und Kühlbox) endlich reinigen können.

trash-siedlung

Ich werde meine kleine Hobby-Butze am Samstag verlassen. Eigentlich werde ich jetzt schon traurig, wenn ich mir hier das Bild ansehe, obwohl ich ja gerade im Wohnwagen rechts hinter dem aufgeklappten Laptop sitze des Nachts. Eigentlich ist nichts falsch daran, im Winter im Wohnwagen zu leben. Aber Thema Klo ist meine Archillesverse. Duschen und Haarewaschen kann ich im Wohnwagen aber das Thetford-Klo habe ich noch nie benutzt. Bitte nicht hier im Ort weitersagen. Und im Dunklen bei -14 Grad und vielleicht später -20 oder -30 Grad da rauszugehen is not my cup of tea. Und außerdem lebe ich hier auf Kosten von jemand – also ich verbrauche schon brutal viel Strom. Mit Gewalt und Geld und Energie lässt sich jedes Problem lösen. Es sollen sogar auch schon Menschen auf dem Mond geflogen sein und Ähnliches. Das ist aber nicht lagom.

Und was ich noch nicht mag: Ich verbringe viel Zeit drinnen und kriege hier eine Halsstarre weil die Decke so niedrig ist. Und die Innenluft ist nach 30 Minuten eigentlich verbraucht (Kohlendioxidgehalt zu hoch) und ich müsste super oft lüften im Winter. Das ist unentspannt. Und das Zu- und Abwasser geht nicht. Der Rest ist aber in Ordnung. Es ist gemütlich. Hinter mir die Rehe, über mir verlorene Wildgänse und dahinter die Milchstraße. Bett, Internet, Strom, Wärme vorhanden. Aber ich habe leicht veränderte Pläne als noch vor 5 Monaten. Ich will nicht mehr 100% meiner Zeit in der Wildnis sein. Ich will in …relativer Wildnis oder zumindest auf dem Land (aber mit Komfort) wohnen und in der Stadt arbeiten/feiern/sozialisieren. Arbeiten ist gar nicht so schlecht, wenn man sonst keine Beschäftigungen hat. Und es hilft beim Integrieren. Das steht auf meiner Liste ganz oben. Was aber in einem Wohnhaus ein Handgriff ist, sind hier 10 Handgriffe oder funktioniert gar nicht. Beispiel: Wasser zugefroren oder Wasser holen von 200m Entfernung. Oder Klogang. Oder kochen (gleicht einem Tetris-Spiel). Oder Thema Schuhe: Wenn hier 3 Paar rumliegen, komme ich nicht mehr aus dem Wohnwagen raus. Ich brauche hier aber 1. Gummisstiefel, 2. Wander/Schneestiefel, 3. Hausschuhe, 4. Haussocken, 5. schicke Stadt-Schuhe, 6. Tennis-Schuhe, 7. Flip-Flops, 8. Golf-Schuhe, 9. Spongebob-Moonboots, 10. Birkenstock, 11. Fechtschuhe, 12. Ballerinas, 13. Hallenschuhe mit heller Sohle, 14. Stahlkappenschuhe, 15. Jogging-Schuhe. Nee ich brauche nur 1. – 5. Aber trotzdem, das muss alles etwas reibungsloser gehen. Sonst spreche ich das beim nächsten Elternabend an. Echt jetzt.

Und deshalb werde ich ab Samstag für 5 Monate ein schönes Haus beziehen, 10 km weiter.

Es ist eine Sommer-Siedlungen, wo die Schweden ihre Sommerferien in ihren Sommerhäusern (stugor) verbringen. Mein Haus ist 500m vom See entfernt und liegt auf einer Halbinsel. Im Winter sind dort nur 3 Häuser bewohnt oder so. Als Anhaltspunkt könnt Ihr Malmköping (nord-ostlich) nehmen. Von dort handelt das Buch: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. In dem Altersheim in Malmköping war ich übrigens schon um einen Mann hinzubringen.

Tja und ich zahle 200 € / Monat inklusive Strom und bleibe dort (im Haus, nicht im Altersheim) bis Ende April. Es kann sein, dass ich die eine oder den anderen nach Geld anhauen werden in der Zukunft. Natürlich suche ich auch nach Jobs. Ich hatte in den letzen Wochen viel körperlich gearbeitet. Ein Haus & Garten zum Verkauf vorbereitet und den Garten eines anderen Hauses von Blättern befreit. Ich habe mindestens 120 Schubkarren Blätter weggefahren und viel Torf verstreut.

Ach so – wie es mir geht? Ein bisschen besser als so lala. Ich ziehe das hier durch in Schweden. Wer den Winter in Schweden (oder Berlin) überlebt, der bleibt. Ansonsten bin ich total einsam und war in meinem Leben noch nie so fernab von Parties wie hier. Und feiern und trinken geht eh nicht. Man muss die letzen 10 km immer noch Auto fahren. Und ich war schon in einer Alkoholkontrolle drinnen mit 0 Promille. Bei 0.3 Promille ist der Führerschein weg. Ab 1 Promille ist Gefängnis üblich. Und wenn ich ein Bier trinke, dann habe ich bereits 0.6 Promille. Grade geguckt: In Deutschland gab es vor 1953 keine Promillegrenze.

Ach so: Weshalb ich wieder schreibe.

Der Peter hat mich angehauen, weil er dachte, dass ich auf dem Grund eines Sees liege. Und Tinchen hat mir geschrieben und sogar das erste Überraschungspaket geschickt. Und Sandy! Du hast eine neue Nummer! Allet klärchen? Naja! Und Judo-Udo, du hast hier einen Kommentar hinterlassen. Cool. Vielleicht lerne ich noch Eisfischen. Wobei ich muss einfach das Eis aufsägen und dann angeln. Und dann Alufolie, Fisch und Zitrone ins Feuer legen. Kommt doch mal vorbei. Ihr Menschen von Tomatien! Aber nichts kaputtmachen!

Grüße vom Trailer-Park!

trailer-park-schweden

Hier noch Fotos aus Stockholm

Mein Bahnhof, der mich in 1 Stunde nach Stockholm bringt
Holztransporter
Ein versunkenes Holzschiff in Stockholm. Interessiert keinen. Ist aber doch wahnsinn.
Stockholm besteht aus Inseln. Dazu braucht es Brücken. Straßenplanung aus den 50ern. Autos haben Vorrang.
Schloß? Palast?
Sieht wie Berlin aus

Skeppholmen. Mitten in der Stad ein ruhiger Ort mit kleinen Hütten. Hygge. Hinten ein Kreuzfahrtschiff.
Da stehen eigentlich viele Kreuzer rum.
Gamla Stan. Die älteste Insel von Stockholm.
Fotoausstellung von Lars Tunbjörk, einem Pressefotografen. Budapest zu Sovietzeiten. Ist nicht witzig gemeint, das Foto.
Noch ein Tunbjörk-Foto mit meiner Lieblings-Creme.

5 Gedanken zu „Meine letzen 3 Tage / Wasser diagonal zugefroren / Körperliche Arbeit [Tag 70]“

    1. Danke, danke. Tack så mycket! Und viel Liebe zu Euch. Und dem Schielchen und dem Langohr-Argoise. Habe alle youtube Filme über Aregoise gesehen. Die beißen selbst keine Hasen, sondern spüren die nur auf und dann hupen sie. Sie bellen ja nicht, sondern hupen wie die Autos aus den 20er Jahren. 🙂

    1. Hej Anika – hah ich weiß schon längst dass Du das zauberhafte Haus hast. Bei Dir gehen alle Wünsche relativ problemlos in Erfüllung. Da müsste ick mir mal ne Scheibe abschneiden, wa? Bei mir erfüllt sich aber auch einiges. Was man vor einer Reise nie mit einberechnet ist, dass da draußen 6 Milliarden Menschen sind die einem gerne helfen.

      Ja, meine Post-Adresse bleibt die nächsten 5 Monate die gleiche. In Mellösa. Sie ist hier: https://lagom24.com/standort

      Denn ich glaube nicht, dass Amazon oder die Post hier nach Fornbo auf meine Halbinsel kommt.

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